Hilmar Stolpe
Versicherungsmakler

Es ist schwierig eine allgemein gültige Prioritätenliste für den Nutzen von Versicherungen aufzustellen. Zu unterschiedlich sind die Lebensumstände:

  • Familiensituation
  • Finanzieller Hintergrund
  • Risikomentalität

Eine Versicherungsgesellschaft oder deren Vertreter wird Ihnen natürlich immer suggerieren, dass jeder Vertrag sinnvoll ist. Dies stimmt einfach nicht. Ermitteln Sie für sich die wirklich existenzbedrohenden Risiken und sichern Sie diese ausreichend ab. Wenn dann noch Geld übrig ist können Sie sich vielleicht noch ein paar angenehme Versicherungen leisten. Darüber freut sich dann die Versicherungswirtschaft (und auch wir) - unbedingt notwendig sind diese Verträge nicht.

Privat-Haftpflichtversicherung ***

Hier können die Meinungen nicht auseinandergehen. Diesen Schutz braucht fast jeder ! Die Jahresprämie liegt bei einem günstigen Anbieter bei ca. 50 € und ist wohl wirklich für jeden bezahlbar.

Wer fremde Personen oder Sachen schuldhaft schädigt, haftet nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch. Er muss dem Geschädigten Schadenersatz leisten. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob der Schaden durch eine kleine Unvorsichtigkeit oder durch groben Leichtsinn entstanden ist. Wenn Sie z.B. bei Rot über die Straße gehen und einen Verkehrsunfall verursachen, wenn Ihre defekte Waschmaschine die Nachbarwohnung durchnässt, wenn Ihr Kind unbeaufsichtigt mit Zündhölzern spielt, müssen Sie für den Schaden aufkommen- unter Umständen ein Leben lang.

Die Privat-Haftpflichtversicherung übernimmte die komplette Abwicklung von Schadenersatzansprüchen:

  • Prüfung der Schuldfrage
  • Abwehr von unberechtigten Ansprüchen
  • Zahlung von berechtigten Forderungen

Versichert sind Sie als Versicherungsnehmer, Ihr Partner (auch unverheiratet)und minderjährige Kinder. Auch volljährige Kinder sind während der ersten Ausbildung noch über die Eltern mitversichert. Ausgeschlossen sind Schäden, die Sie selbst erleiden, anderen vorsätzlich zufügen oder die Sie mit Ihrem Auto oder Moped anrichten. Fürs eigene Surfbrett oder Boot benötigen Sie eine spezielle Sportboot-Haftpflichtpolice.

Lebens-/ Rentenversicherung **

Eine Risikoversicherung deckt ausschießlich das Todesfallrisiko ab. Der Versicherungsschutz kann individuell an ihre Lebenssituation angepaßt werden (z.B. fallende Versicherungssumme zur Absicherung von Finanzierungen). Nach Ablauf ist der Vertrag beendet, ohne dass es zu wesentlichen Auszahlungen kommt. Es handelt sich um eine sinnvolle und bezahlbare Versicherung, um der Verantwortung gegenüber den Hinterbliebenen gerecht zu werden. Wählen Sie ein wirklich ausreichende Summe!

Eine Kapitallebens- oder Rentenversicherung kombiniert die Bausteine Versicherungsschutz und Kapitalbildung. Ziel ist meistens eine Ergänzung der Altersversorgung sowie die Absicherung von Partner und Familie im Todesfall.

Ein Lebensversicherer darf zur Zeit maximal 30 % der Gelder in Aktien oder Fonds anlegen. Der Rest wandert in festverzinsliche Wertpapiere oder Immobilien. Es handelt sich also um eine relativ konservative Anlage. Da wir jetzt schon diverse Jahre eine Niedrigzinsphase haben, dürfte eine Ablaufrendite bei einem soliden Versicherer von 5% realistisch sein. Daneben hatten Sie ja auch noch Versicherungsschutz.

Kritisch ist immer noch die Transparenz der Gesellschaften. Die Verteilung Ihres monatlichen Sparbeitrags auf Verwaltungskosten, Risikoschutz und Sparanteil wird nicht immer transparent genug.

Bei der Auswahl der Gesellschaft sollten Sie sich nicht von tollen Beispielrechnungen blenden lassen, die Ihnen vorrechnen welche Summe Sie in 30 Jahren erhalten. Diese Rechnungen sind absolut unverbindlich. Aber bei einigen Versicherern gehen Wunsch und Wirklichkeit weit auseinander.

Auch die beliebten Vergleiche in der Wirtschaftspresse sind nur selten eine wirkliche Hilfe. Wenn Versicherungslaien willkürlich Kennzahlen in Beziehung setzen oder neu erschaffen, kommen beim Profi oft Gedanken zwischen Lachen und Weinen auf. Aus unserer Sicht sind vor allem folgende Kriterien entscheidend:

  • Vergangenheitsrendite - welche Auszahlungen gab es für Verträge die vor 20 oder 30 Jahren abgeschlossen und jetzt ausgezahlt wurden ?
  • Seriöse Beispielrechungen für die Zukunft oder Wunschdenken ?
  • Rücklagen der Gesellschaft für besondere Situationen(reicht es für 2 Monate oder für 2 Jahre)
  • Kostenquote
  • Größe der Gesellschaft - was passiert bei Übernahmen mit den stillen Reserven?

Die Fondsgebundene Lebensversicherung ist eine interessante Alternative und wahrscheinlich die Vorsorgeform der Zukunft.

Anders als bei der Kapitalversicherung tritt der Versicherer hier aber nur als Risikoträger für den Todesfallschutz und als Verwaltungsstelle auf. Der Sparanteil wandert direkt in einen oder mehrere Investmentfonds. Die Rendite ist mit einer großen Wahrscheinlichkeit höher als bei einer Kapitalversicherung. Wie auch bei einem reinen Fonds gibt es natürlich keine Garantiewerte.

Inzwischen gibt es in Deutschland zahlreiche Fondspolicenanbieter. Bei der Auswahl erscheinen uns folgende Punkte wichtig:

  • Große Auswahl an Fonds - nach Möglichkeit nicht nur die hauseigenen Produkte
  • kostenlose Switchmöglichkeit (Wechsel der Fondsauswahl)
  • Ablaufmanagement durch den Versicherer zum Ende der Laufzeit (z.B. Wechsel in Rentenfonds)
  • Überwachung der Fondsstrategien, bei Bedarf Wechsel
  • Transparenz der Kosten
  • Rückkaufswerte schon im ersten Jahr
Berufsunfähigkeitsversicherung ***

Berufsunfähigkeit ist eines der größten und existenzbedrohendsten Risiken überhaupt. In Deutschland erhalten zur Zeit über 2 Millionen Menschen BU-Rente. Es ist ein nicht planbares Risiko, dass durch Krankheit oder Unfall auftreten kann. Die Absicherung über die gesetzliche Rentenversicherung ist absolut unzureichend und für Personen, die nach 1961 geboren sind, fast nicht mehr vorhanden.

Im Versicherungsfall (mindestens 50 % BU, teilweise andere Regelung möglich) wird eine monatliche Rente in der vereinbarten Höhe gezahlt. Die Beitragszahlung entfällt. Entscheidend für den zu zahlenden Beitrag ist nebem dem Beruf und dem Eintrittsalter der vereinbarte Ablauf. Meist wird das 60., 65. oder 67.Lebensjahr gewählt. Es gibt zwei Versicherer, die unter bestimmten Umständen eine lebenslange BU-Rente zahlen.

Der Abschluß hängt auch vom Gesundheitszustand ab. Personen mit Vorerkrankungen müssen mit teilweise drastischen Risikozuschlägen oder auch einer Ablehnung rechnen. Besonders schwierig ist die Annahme bei den deutschen Volkskrankheiten Herz / Kreislauf und Rückenprobleme. Auch allergische Erkrankungen und psychische Krankheiten stellen Probleme dar.

Ganz wichtig ist die Angabe aller Vorerkrankungen im Antrag! Der Versicherer kann die Leistung verweigern, wenn hier Behandlungen vergessen wurden.

Auch deshalb sollte eine BU-Versicherung immer mit einem kompetenten Berater abgeschlossen werden. Dieser kann Ihnen auch die vielfältigen Bedingungsunterschiede zwischen den Gesellschaften erläutern. Es gibt kein genormtes Bedingungswerk ! Gerade in der BU - Versicherung spielt der Beitrag nicht die entscheidende Rolle. 10 € im Monat mehr bedeuten oft deutlich mehr Sicherheit für den Eventualfall.

Die BU - Versicherung kann einzeln oder als Zusatz zu einer Risiko- oder Kapitalversicherung abgeschlossen werden.

Hausratversicherung **

Die Hausratversicherung schützt das Inventar Ihrer Wohnung / Ihres Hauses gegen Schäden durch

  • Feuer
  • Einbruchdiebstahl / Raub und Vandalismus
  • Leitungswasser
  • Sturm (ab Windstärke 8) und Hagel

Sie kann um einige Zusatzrisiken wie Fahrraddiebstahl, Glasbruch oder Elementarschäden erweitert werden.

Die Versicherungssumme muss dem Neuwert der gesamten Wohnungseinrichtung entsprechen (einschließlich Wertsachen, Teppichen, Kleidung und Sachen im Keller.) Nur so lässt sich eine Unterversicherung und dadurch eine Kürzung im Schadenfall vermeiden. Das Risiko Unterversicherung kann aber garantiert vermieden werden, wenn Sie eine bestimmte Versicherungssumme pro Quadratmeter vereinbaren, in der Regel 650 Euro/qm.

Private Unfallversicherung **

Die Unfallversicherung hilft Ihnen bei körperlichen Schäden als Folge eines Unfalls. Vereinbart werden eine einmalige Entschädigung in Abhängigkeit vom Invaliditätsgrad (ab 1 %) oder eine lebenslange Rente ab einem bestimmten Invaliditätsgrad (meist 50 %). Daneben kann eine Summe für das Todesfallrisiko durch Unfall eingeschlossen werden. Alle weiteren auf dem Markt angebotenen Nebenleistungen (Krankenhaustagegeld, Übergangsentschädigung u.a.) machen aus unserer Sicht nicht immer Sinn.

Die wirtschaftlichen Folgen, die mit einer dauernden Gesundheitsschädigung verbunden sind, können für Sie und Ihre Familie unübersehbar sein. Trotzdem stellt die Unfallversicherung keinen Ersatz für eine Berufsunfähigkeitsversicherung dar. Nur etwa 8 % aller Betroffenen sind durch einen Unfall berufsunfähig geworden. Der Verlust von körperlichen oder psychischen Fähigkeiten durch Krankheit ist nie Gegenstand der Unfallversicherung.

Private Krankenvollversicherung **

Neben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist die private Krankenversicherung (PKV) die zweite tragende Säule des bundesdeutschen Krankenversicherungssystems.

Die privaten Anbieter übernehmen den Versicherungsschutz für Personen, die nicht gesetzlich versichert sein müssen. Das sind Selbstständige, Beamte, Freiberufler, Studenten sowie Angestellte und Arbeiter mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze

Der große Vorteil einer privaten Versicherung ist die lebenslange Garantie aller vereinbarten Leistungen. Keine Gesundheitsreform kann ihren Versicherungsschutz verschlechtern. Pluspunkte bei einem vernünftigen Tarif sind u.a.:

  • Freie Wahl unter Ärzten oder Heilpraktikern
  • Privatpatien im Krankenhaus inkl. Ein-oder Zweibettzimmer
  • Psychotherapeutische Behandlung
  • Naturheilverfahren
  • Angemessene Erstattung von Zahnersatzleistungen
  • Weltweiter Versicherungsschutz

Außerdem unterliegen Sie nicht dem Solidarprinzip. Sie zahlen den Beitrag, der Ihrem Alter, Ihrer Familiensituation und den gewünschten Leistungen entspricht. Ob die Private Versicherung für Sie die richtige Lösung ist hängt vor allem von familiären Faktoren und vom Alter bei Beginn ab.

In der GKV sind Kinder und der nicht berufstätige Ehegatte zur Zeit noch beitragsfrei mitversichert. Dagegen muß in der Privaten Versicherung für jede Person Beitrag gezahlt werden. Auch der Gesundheitszustand ist wichtig. Mit größeren Vorerkrankungen ist eine Aufnahme bei einem Privaten Versicherer nur mit Zuschlägen oder gar nicht möglich.

In diesem Bereich ist ein ausführliches Gespräch mit einem Krankenversicherungsprofi unbedingt zu empfehlen.

Private Krankenzusatzversicherung **

Für Personen, die in der GKV pflichtversichert sind, gibt es diverse individuelle Zusatztarife:

  • Auslandsreiseversicherung
  • Verdienstausfallversicherung
  • Zusatzversicherung für das Krankenhaus
  • Zahnzusatztarif
Rechtsschutzversicherung *

Vor einem Rechtsstreit ist niemand sicher, ebenso wenig über seinen Ausgang. Jährlich kommt es zu 150.000 Verfahren nach Verkehrsunfällen, 250.000 Streitfällen um Wohnungsmietverträge und fast 500.000 Prozesse vor Arbeitsgerichten. Wenn Sie einen Prozess verlieren, müssen Sie alle Kosten des Prozessgegners, die Gerichtskosten und die Gebühren des eigenen Anwalts tragen. Dies Positionen werden in den versicherten Bereichen vom Rechtsschutzversicherer übernommen.

Es gibt ein fest umgrenztes Leistungsspektrum. Nicht versichert sind bei fast allen Gesellschaften Familien -und Erbrecht (Scheidung, Unterhalt etc.).

Wenn Sie das Geld übrig haben ist die Rechtsschutzversicherung eine angenehme Absicherung. Es geht aber fast nie um existenzbedrohende Beträge. Ein Grossteil der regulierten Schäden liegt unter 2.500 €.

Kfz-Haftpflichtversicherung *

Im Gegensatz zur Privat-Haftpflichtversicherung ist die Kfz-Haftpflichtversicherung nicht freiwillig, sondern gesetzlich vorgeschrieben, und zwar für alle Kfz-Fahrzeuge (PKW, LKW, Motorrad, Moped, Mofa usw.). Sie können unter etwa 120 verschiedenen Kraftfahrtversicherern auswählen. Als Fahrzeughalter sind Sie in der Regel selbst dann schadensersatzpflichtig, wenn Sie nichts dafür können, dass Sie einen Fußgänger oder Radfahrer verletzen. Läuft beispielsweise ein Kind urplötzlich auf die Straße, so haben Sie bzw. Ihre Auto-Haftpflichtversicherung in der Regel auch ohne Verschulden für den Schaden einzustehen (Gefährdungshaftung).